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Skifahren abseits der Pisten

Skifahren abseits der Pisten
Februar 10, 2018 - Teilen
Interview: Jérome Pessey, Leiter der ESF Skischule

Sie wagen sich zwar nicht an die Steilhänge des legendären Mont-Blanc-Massivs, doch Sie hätten schon Lust, einmal abseits der Pisten Ski zu fahren? Dabei gibt es allerdings viele Sicherheitsregeln zu beachten. Gut vorbereitet macht dieses Erlebnis doppelt Spaß.

Copyright : Scott Markewitz

MySkirent und Jérome Pessey, Leiter der ESF Skischule in La Clusaz, geben uns einige gute Tipps.

Zunächst gilt es, genau zu definieren, was „Skifahren abseits der Pisten“ bzw. „Freeride“ eigentlich bedeutet. Es gibt auch den Begriff „Skiroute“. Skirouten können für Anfänger einen guten Kompromiss darstellen.

Skiroute: Dieser Begriff wird vor allem in Österreich und in Deutschland verwendet. In Frankreich spricht man eher von „nicht präparierten Pisten“. Skirouten bestehen aus einer 25 Meter breiten, markierten und sicheren Abfahrt, die aber nur teilweise kontrolliert wird. So sieht hier etwa kein Pistenwärter nach, ob irgendwo ein Skifahrer stecken geblieben ist. Es gibt auch keine Markierungen, die vor Gefahren warnen.

Abseits der Piste (Freeride): Hierbei handelt es sich um einen nicht kontrollierten, nicht geschützten und nicht markierten Bereich. Sobald Sie unter einem Netz durchschlüpfen oder über die Markierungen hinaus fahren, sind Sie abseits der Piste und allein mit der Natur.

MySkirent: Welche Fragen sollte man sich stellen, bevor man zum Freeriden aufbricht?

Jérome Pessey:

„Können Sie ausreichend gut Ski fahren? Lust haben, ist eine Sache, wirklich können eine andere. Sie müssen über eine gute Fahrtechnik verfügen, um alle Situationen souverän zu meistern. Sie können auf verharschten Schnee, weichen Schnee, Pulverschnee oder ein Buckelfeld stoßen. Nur wenn Sie das nötige Rüstzeug besitzen, sind Sie sicher unterwegs und haben auch wirklich Spaß.

Auch das Gebiet spielt eine Rolle. Wir unterscheiden zwischen «beherrschbar» und «riskant».

1) Beherrschbar: Ein beherrschbares Gebiet liegt in der Nähe der Pisten und ist nicht lawinengefährdet. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie ausreichend gut Ski fahren, können Sie mit einem Skilehrer am Rand der Piste beginnen und Ihre Geschicklichkeit testen. Aber Vorsicht: Auch nur einen Meter neben der Piste können Gefahren lauern.

2) Riskant: Hier handelt es sich um ein lawinengefährdetes Gebiet, einen Steilhang oder ein Gebiet in der Nähe sehr riskanter Bereiche, wie etwa sehr steile Hänge oder Felsen.“

 

MySkirent: Welche Gefahren lauern beim Freeriden?

Jérome Pessey:

„- Die Lawinengefahr natürlich. Sie oder Ihre Freunde können in eine Lawine geraten.

– Ein Wetterumschwung oder plötzlicher Nebel, durch den Sie die Orientierung verlieren.

– Sie kommen an einen Felsen und können nicht umkehren.

– Ein Unfall, etwa wenn Sie stürzen, was ja jederzeit passieren kann, oder wenn Sie an einen Baum oder einen Felsen stoßen.“

 

Copyright : Scott Markewitz
Copyright : Bruno Long
Copyright : Scott Markewitz

MySkirent: Wie bereitet man sich richtig auf das Freeriden vor?

Jérome Pessey:

„- Man muss sich so vorbereiten, dass man jederzeit erklären kann, wo man sich gerade befindet. Sie müssen wissen, welchen Pass Sie gerade überquert haben. Abseits der Piste zu fahren, heißt nicht, sich einfach so ins Abenteuer stürzen. Man muss immer wissen, wo man sich gerade befindet und wohin man sich bewegt.

– Wenn Sie keinen Führer dabeihaben, müssen Sie sich unbedingt am selben Tag über das Wetter informieren. Am besten fragen Sie die Pistenwärter, was sie davon halten.“

MySkirent: Welche Voraussetzungen sind wichtig, wenn man abseits der Pisten Ski fahren geht?

Jérome Pessey:

„- Überschätzen Sie sich nicht. Man muss auch mal verzichten oder einen Ausflug verschieben können, wenn nicht alle Voraussetzungen gegeben sind.

– Brechen Sie niemals alleine auf. Sie brauchen jemanden, der im Verletzungsfall Hilfe rufen kann, falls Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind.

– Nehmen Sie Ihr Handy mit, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Es könnte Ihnen das Leben retten.

– Legen Sie sich eine gute Ausrüstung zu: Helm, Rückenprotektor, Airbag, LVS-Gerät (Lawinenverschütteten-Suchgerät), Sonde und Schaufel zum Orten bzw. Freischaufeln von Lawinenopfern.

– Nehmen Sie ein Erste-Hilfe-Set mit.

– Nehmen Sie immer etwas zum Essen und zum Trinken mit.“

Hinweis: Die ESF Skischule und andere Schulen bieten Kurse an, in denen man den richtigen Umgang mit der Sicherheitsausrüstung übt. Außerdem lernen Sie, wie Sie einen Ausflug abseits der Pisten richtig vorbereiten.

Die Mountain Academy der Marke Salomon liefert zu diesem Thema ebenfalls sehr umfassende Informationen: mountainacademy.salomon.com

MySkirent: Wie wählt man das richtige Equipment aus?

Jérome Pessey:

„Ihr Führer und erfahrene Mitarbeiter im Skiverleih können Ihnen bei der Auswahl des idealen Equipments je nach Könnerstufe und Bedingungen behilflich sein.“

Der Woodcore Shop in La Clusaz zum Bespiel ist auf den Verleih von Freeride- und Freeski-Equipment spezialisiert. Auf der Website von myskirent finden Sie eine Liste aller Fachgeschäfte in den verschiedenen Skigebieten.

MySkirent: Was ist bei einem Unfall zu tun?

Jérome Pessey:

Rufen Sie den Pistendienst des Skigebiets an oder die europäische Notrufnummer 112.

 

Tipp von MySkirent: Bevor Sie aufbrechen, sollten Sie unbedingt nachfragen, ob Sie bei einem Unfall versichert sind. Achtung: Die Antwort kann je nach Strecke innerhalb oder außerhalb des Skigebiets anders ausfallen.

 

MySkirent: Welches war Ihr schönstes Freeride-Erlebnis?

Jérome Pessey:

Mit Sicherheit die Vallée Blanche Abfahrt, die von der Aiguille du Midi nach Chamonix hinabführt. Der Aufstieg, die Landschaften und die Länge der Abfahrt sind einfach herrlich.

 

MySkirent: Glauben Sie, dass Sie bereits die Abfahrt Ihres Lebens gemacht haben?

Jérome Pessey:

Ja, aber das würde ich nicht noch einmal machen. Damals war ich noch jung und leichtsinnig.

 

Sie sehen schon: Bei guter Vorbereitung ist Freeriden ein unvergessliches, sensationelles Erlebnis. Doch auch wenn man glaubt, alle Risiken ausgeschaltet zu haben, sollte man sich stets bewusst sein, dass die Natur immer das letzte Wort hat.

Videos, Grafiken, Orientierung, andere Informationen oder Content (die „Inhalte“) auf dieser Website sind nur für den allgemeinen Bildungs- und Informationszwecke geeignet. Dieses mit dem Grund um das gesamte Sicherheitsbewusstsein im Gelände zu erhöhen. Der Inhalt ist weder beabsichtigt, fachlichen Rat einzuholen oder einen Ersatz für fachliche Beratung. Der Inhalt ist keineswegs einen Ersatz für einen Grundkurs Lawinenkunde. Der Benutzer dieser Website sollten wissen dass Freeriden im Gelände inhärent ist an Risiken sowie schweren Verletzungen oder der Tod. Der Nutzer dieser Website sollte einen qualifizierten Alpinkurs in einem Lawinenzentrums machen.

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